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Methodik

Wie MyRetinaGene funktioniert

Transparenz ist uns wichtig. Hier erklären wir, welche Technologien und Datenquellen hinter der Plattform stehen.

KI-Verarbeitung

MyRetinaGene nutzt die Claude-Sprachmodelle von Anthropic in einem dreistufigen Eskalationsverfahren:

  • Stufe 1 (Extraktion): Ein schnelles Modell erkennt Gen, Mutation, Erbgang und Zygotie aus dem Befund
  • Stufe 2 (Analyse): Ein leistungsfähigeres Modell bewertet die klinische Bedeutung und sucht relevante Studien
  • Stufe 3 (Bericht): Das stärkste Modell erstellt einen verständlichen Patientenbericht

Datenquellen

  • PubMed - über 35 Millionen biomedizinische Publikationen
  • ClinicalTrials.gov - Register aller klinischen Studien weltweit
  • ClinVar - NCBI-Datenbank für Genvarianten und ihre klinische Bewertung
  • LOVD - Leiden Open Variation Database für genspezifische Varianten
  • OMIM - Online Mendelian Inheritance in Man

Limitationen

  • Die Analyse ist nur so gut wie der hochgeladene Befund
  • Seltene oder neue Mutationen haben möglicherweise wenig Forschungsdaten
  • KI-Modelle können Fehler machen - besprechen Sie Ergebnisse immer mit Ihrem Arzt
  • Die Plattform ersetzt keine genetische Beratung

Datensicherheit

Alle Daten werden lokal verarbeitet. Hochgeladene Befunde werden nach 30 Tagen anonymisiert und nach 90 Tagen gelöscht. Mehr unter Datenschutz.


Wie arbeiten wir?

MyRetinaGene ist ein kuratiertes Informationsangebot für Betroffene erblicher Netzhauterkrankungen. Wir bündeln öffentlich zugängliche wissenschaftliche Quellen und stellen sie in einen für Patientinnen und Patienten verständlichen Kontext. Wir erstellen keine medizinische Diagnose, führen keine genetischen Untersuchungen durch und verändern nicht die Klassifikation Ihrer Varianten. Ein Report von MyRetinaGene fasst einen bereits vorliegenden humangenetischen Befund zusammen, verknüpft ihn mit aktueller Literatur, laufenden Studien und datenbankbasierten Einschätzungen und macht diese Information transparent nachvollziehbar.

Die ärztliche Einordnung und Therapieentscheidung bleibt immer bei Ihren behandelnden Humangenetikerinnen, Ophthalmologen und Genetischen Beraterinnen. Unser Ziel ist es, Sie bei diesen Gesprächen besser vorbereitet zu unterstützen.

Datenquellen

Alle in einem Report genannten Aussagen sind mit mindestens einer der folgenden Primärquellen belegt. Wir arbeiten ausschließlich mit öffentlich verfügbaren, kuratierten wissenschaftlichen Datenbanken.

  • ClinVar (NCBI) — öffentliche Referenzdatenbank für Genvarianten mit klinischer Klassifikation (pathogen / benign / VUS), inklusive Einreicher-Historie.
  • LOVD — Leiden Open Variation Database, gene-spezifische Varianten-Datenbanken, u. a. für USH2A, RPGR und RHO.
  • OMIM — Online Mendelian Inheritance in Man, kuratierter Katalog der Gen-Krankheits-Beziehungen und ihrer Phänotypen.
  • Orphanet — europäischer Referenzkatalog seltener Erkrankungen mit ORPHA-Codes und Prävalenzdaten.
  • RetNet — kuratiertes Verzeichnis aller bekannten Retina-Gene (University of Texas).
  • PubMed — Peer-reviewed Fachpublikationen der US National Library of Medicine, über 35 Millionen Artikel.
  • ClinicalTrials.gov und DRKS — US-Register und Deutsches Register Klinischer Studien.
  • gnomAD — Genome Aggregation Database, Populationsfrequenzen von Varianten über > 800 000 Individuen.

Variant-Klassifikation nach ACMG

Die Bewertung, ob eine Variante krankheitsursächlich ist, folgt international den Empfehlungen des American College of Medical Genetics and Genomics (ACMG) und der Association for Molecular Pathology (AMP, 2015). Die Klassifikation ist fünfstufig:

  1. Klasse 5 — Pathogen: krankheitsverursachend (hohe Evidenz).
  2. Klasse 4 — Wahrscheinlich pathogen: > 90 % Wahrscheinlichkeit krankheitsverursachend.
  3. Klasse 3 — VUS (Variant of Uncertain Significance): unklare Signifikanz — weder eindeutig pathogen noch benign.
  4. Klasse 2 — Wahrscheinlich benign: sehr wahrscheinlich nicht krankheitsverursachend.
  5. Klasse 1 — Benign: gutartig, kein Krankheitsbezug.

Diese Klassifikation beruht auf einem Kriterienkatalog, dessen Kürzel auch in humangenetischen Befunden auftauchen können:

  • PVS1 — sehr starker pathogener Hinweis (z. B. Nullallel durch Nonsense, Frameshift, kanonische Splice-Site).
  • PS1–PS4 — starke pathogene Kriterien (z. B. identische Aminosäureänderung, de novo, funktionelle Studien, höhere Prävalenz bei Betroffenen).
  • PM1–PM6 — moderate pathogene Kriterien (z. B. Lage in Mutationshotspot, Fehlen bei Kontrollen, Missense dort, wo Missense pathogen ist).
  • PP1–PP5 — unterstützende pathogene Kriterien (z. B. Kosegregation, computational evidence, Reputation einer Quelle).
  • BS1–BS4, BA1, BP1–BP7 — benigne Kriterien (z. B. hohe Allelfrequenz in gnomAD, fehlende Kosegregation, synonymer Austausch).

Hinweis: Wir übernehmen primär die Klassifikation aus ClinVar. Bei diskrepanten Bewertungen verschiedener Einreicher („conflicting interpretations“) weisen wir im Report explizit darauf hin und führen die widersprüchlichen Einträge einzeln auf. Wir nehmen keine eigene ACMG-Reklassifizierung vor.

Bildgebung & OCT-Verlaufsdaten

Der genetische Befund allein beschreibt nur die Ursache einer Netzhautdystrophie. Für die Verlaufsbeurteilung und für die Eignung für klinische Studien braucht es strukturelle Bildgebung. Das wichtigste Verfahren ist die OCT (Optische Kohärenztomografie): Sie liefert nicht-invasiv mikrometergenaue Querschnitte der Netzhaut und macht selbst feinste Veränderungen an Photorezeptor- und RPE-Schicht sichtbar.

In aktuellen Studien dient die OCT als primärer Biomarker - insbesondere die Länge des EZ-Bandes und die Dicke der äußeren Körnerschicht (ONL). Wir empfehlen Betroffenen, OCT-Aufnahmen möglichst jährlich beim Augenarzt erstellen zu lassen und die Befunde für Studienanmeldungen aufzuheben.

Grenzen & Limitationen

Ein ehrlicher Umgang mit den Grenzen dieser Plattform ist uns wichtig:

  • Keine humangenetische Beratung: MyRetinaGene ersetzt weder ein ärztliches Gespräch noch eine genetische Beratung nach GenDG.
  • Unvollständigkeit von Gen-Panels: viele Paneldiagnostiken erfassen keine Kopienzahlvarianten (CNVs), tief-intronische Varianten, Mosaike, Repeat-Expansionen oder strukturelle Umlagerungen. Ein negativer Befund schließt eine genetische Ursache nicht aus.
  • VUS sind keine Diagnose: Varianten unklarer Signifikanz dürfen klinisch nicht wie pathogene Varianten behandelt werden.
  • Datenbank-Lag: neu entdeckte oder sehr seltene Varianten sind möglicherweise noch nicht in ClinVar, LOVD oder gnomAD erfasst.
  • Phänotyp-Heterogenität: dieselbe Variante kann bei verschiedenen Betroffenen zu unterschiedlichen Verläufen und Schweregraden führen (Penetranz, Expressivität, modifizierende Gene, Umwelt).
  • Keine Aussage zu Familienangehörigen: Aussagen gelten nur für die im Befund beschriebene Person, nicht für Verwandte.

Wissenschaftliche Transparenz

  • Alle Aussagen im Report sind mit direkten Links zu den Primärquellen (PubMed-ID, ClinVar Accession, OMIM-Nummer, ORPHA-Code, ClinicalTrials-NCT) versehen und jederzeit unabhängig überprüfbar.
  • Kein Tracking, keine Werbe-Cookies, keine Datenweitergabe an Dritte. Details in unserer Datenschutzerklärung.
  • Der Quellcode des Report-Generators wird perspektivisch unter einer offenen Lizenz als Open Source veröffentlicht, damit die Report-Logik extern auditierbar ist.
  • Prompts und Eskalationsstufen der KI-Verarbeitung werden in einer öffentlichen Changelog-Seite dokumentiert.

Aktualisierungsfrequenz

Die externen Datenquellen werden regelmäßig neu eingelesen:

  • ClinVar — wöchentlich (NCBI-Release dienstags).
  • LOVD — wöchentlich, gene-spezifische Full-Exports.
  • OMIM — monatlich.
  • Orphanet — monatlich.
  • RetNet — quartalsweise, zusätzlich Ad-hoc bei bekannten Updates.
  • PubMed — täglich (nur für Abfragen zum Zeitpunkt der Report-Erzeugung).
  • ClinicalTrials.gov / DRKS — wöchentlich.
  • gnomAD — bei jedem Major-Release (v4.x).

Das Datum des letzten Datenbank-Imports ist in jedem Report in der Fußzeile sichtbar.

Fehler melden

Wenn Sie in einem Report eine fachlich fragwürdige, veraltete oder schlicht falsche Aussage entdecken, freuen wir uns über einen Hinweis. Jede Korrektur fließt in die nächste Version ein. Bitte nutzen Sie unser Kontaktaufnahme per E-Mail und geben Sie, wenn möglich, die Report-ID sowie die betreffende Quelle an.