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RPE65-Gentherapie: Hoffnung bei Netzhauterkrankungen

Wissen · Video-Einordnung

Wie zwei Patienten mit einem RPE65-Gendefekt durch eine Gentherapie das Fortschreiten ihrer Erblindung aufhalten konnten.

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Gene Klinische Studien Glossar

Auf einen Blick

Was ist RPE65?
Eines von rund 300 bekannten Genen, deren Defekt eine erbliche Netzhauterkrankung wie Retinitis pigmentosa oder die Lebersche kongenitale Amaurose auslösen kann.
Wie läuft die Therapie ab?
In einer Operation wird der Glaskörper entfernt und ein Wirkstoff mit der intakten Genkopie unter die Netzhaut gespritzt.
Heilt die Therapie die Erkrankung?
Nein - sie kann das Fortschreiten der Erblindung aufhalten und teils eine Verbesserung bringen, stellt aber kein normales Sehen wieder her.
Für wen kommt sie infrage?
Nur für Menschen mit nachgewiesenem RPE65-Defekt und noch vorhandenen lichtempfindlichen Netzhautzellen - eine molekulargenetische Diagnose ist Voraussetzung.

Worum geht es im Video?

Im Video von PRO RETINA erzählen zwei junge Männer aus Deutschland, wie eine Gentherapie ihr Leben verändert hat: Tobias, 19 Jahre alt, und Steffen Koch, 29 Jahre alt aus Dortmund. Beide leiden an einem Defekt im Gen RPE65, einem von rund 300 bekannten Genen, die eine erbliche Netzhauterkrankung auslösen können - im konkreten Fall Retinitis pigmentosa oder die Lebersche kongenitale Amaurose (LCA). Beide Erkrankungen sind fortschreitend; unbehandelt erblinden Betroffene meist innerhalb von 20 bis 30 Jahren vollständig. An der Universitäts-Augenklinik Bonn, geleitet von Prof. Holz gemeinsam mit Prof. Lorenz, wurde die Diagnose bei beiden gesichert. Mit einer neuen, speziell für RPE65 zugelassenen Gentherapie erhielten Tobias und Steffen die Chance, das Fortschreiten ihrer Erblindung aufzuhalten - in Deutschland wird sie an vier spezialisierten Zentren durchgeführt, darunter Bonn.

Wie die Gentherapie funktioniert

Die RPE65-Gentherapie ist ein operativer Eingriff: Unter sterilen Bedingungen wird zunächst der Glaskörper des Auges entfernt, anschließend wird das Präparat unter die Netzhaut gespritzt. Ziel ist es, die durch die Genmutation fehlende Funktion in den Netzhautzellen zu ersetzen, damit diese wieder das richtige, funktionale Protein bilden können. Das setzt voraus, dass noch ausreichend lichtempfindliche Zellen vorhanden sind, die von der Therapie profitieren können - in sehr späten Krankheitsstadien ohne verwertbares Restsehen ist eine Behandlung deshalb nicht mehr sinnvoll. Aus diesem Grund wird heute bewusst früh behandelt, mittlerweile auch bei Kindern unter zehn Jahren, solange die vorhandene Sehschärfe im Alltag noch nutzbar ist.

Warum eine frühe Diagnose zählt

Bei erblichen Netzhauterkrankungen ist Zeit ein entscheidender Faktor - bis zur richtigen Diagnose vergehen jedoch oft Jahre, zumal die Netzhaut im Frühstadium bei einer klassischen Spiegelung noch unauffällig aussehen kann. Ein charakteristisches Warnzeichen ist Nachtblindheit: Wird sie berichtet, sollte umgehend eine augenärztliche und im nächsten Schritt eine genetische Untersuchung folgen. Wie lang eine solche Odyssee dauern kann, zeigt die Geschichte von Franz Badura, Vorstandsmitglied von PRO RETINA: Bei ihm wurde Anfang der 1980er Jahre eine Zapfen-Stäbchen-Dystrophie festgestellt, zu einer Zeit, als das verantwortliche Gen noch unbekannt war und die Diagnose schlicht lautete, er werde erblinden. Für ihn kommt eine Gentherapie heute zu spät, seine Erkrankung ist zu weit fortgeschritten. Steffen Koch dagegen hatte Glück: Eine molekulargenetische Diagnose stellte frühzeitig fest, welches Gen betroffen war - kurz darauf wurde die passende Therapie zugelassen. Um Betroffene und neue Erkenntnisse schneller zusammenzubringen, hat PRO RETINA zudem ein Patientenregister aufgebaut: Patientinnen und Patienten können dort ihre Daten und ärztlichen Befunde hinterlegen. Werden neue Gene entdeckt oder neue Therapien zugelassen, lässt sich gezielt danach suchen - und Betroffene können informiert werden.

Grenzen der Gentherapie

So ermutigend die Erfolge von Tobias und Steffen sind: Eine Gentherapie ist kein Allheilmittel. Sie wirkt gen-spezifisch und ist bislang nur für den Defekt im RPE65-Gen zugelassen - einem von rund 300 bekannten Genen, die eine erbliche Netzhauterkrankung auslösen können. Für die meisten anderen Formen, etwa die Zapfen-Stäbchen-Dystrophie von Franz Badura, gibt es aktuell keine ursächliche Behandlung. Auch bei RPE65 gilt: Die Therapie soll vor allem das Fortschreiten der Erblindung aufhalten und ist keine Garantie auf normales Sehen - Tobias und Steffen werden trotz erfolgreicher Behandlung nie so gut sehen wie Normalsichtige. Eine spürbare Verbesserung, wie sie beide erlebt haben, ist möglich, aber nicht der primäre Anspruch der Therapie. Eine individuelle, seriöse Einschätzung durch ein spezialisiertes Zentrum ist deshalb unverzichtbar. Immerhin: Mit RPE65 gibt es die erste zugelassene Gentherapie für eine erbliche Netzhauterkrankung, und Fachleute erwarten, dass für weitere Gene ähnliche Ansätze folgen werden - für die überwiegende Mehrheit der rund 300 bekannten Gene existiert aktuell aber weiterhin keine ursächliche Behandlung.

Was heißt das für mich?

Wer selbst oder in der Familie von einer erblichen Netzhauterkrankung betroffen ist, kann aus den Erfahrungen von Tobias, Steffen und Franz Badura konkrete Schlüsse ziehen:

  • Nachtblindheit oder unklare Sehprobleme in der Kindheit ernst nehmen und augenärztlich abklären lassen.
  • Auf eine molekulargenetische Diagnose bestehen, um das genaue Gen zu identifizieren - sie wird heute nahezu allen Patientinnen und Patienten empfohlen.
  • Sich bei einem spezialisierten Netzhaut-Zentrum beraten lassen, ob eine zugelassene Therapie für das eigene Gen infrage kommt.
  • Sich beim Patientenregister von PRO RETINA eintragen, um bei neuen Erkenntnissen zu Genen oder Therapien kontaktiert zu werden.
  • Nicht auf einen bereits sehr fortgeschrittenen Krankheitsverlauf warten - je früher eine Diagnose steht, desto mehr Optionen bleiben offen.

Quelle

Dieser Beitrag fasst das YouTube-Video „Kenne Dein Gen - Hoffnung Gentherapie" von PRO RETINA Deutschland e. V. zusammen: youtube.com/watch?v=-I6Tx62ZqHE. Ergänzt um eigene Einordnung und interne Verweise.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder humangenetische Beratung.